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French Connection
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In den frühen 60ern war ich überwiegend im Freiflug aktiv. Mit meinen damaligen Kameraden besuchte ich die ersten Wettbewerbe im Ausland, meistens in Frankreich. Durch diese “French Connection” erfuhr ich, dass es im Elsass einen Fesselflug-Wettbewerb gab. Das Elsass ist eine wunderschöne Gegend. Es ist ein berühmtes Weinland, und es gibt dort einen Fesselflug-Wettbewerb. Das waren genug Gründe, diesen Wettbewerb einmal zu besuchen. Dort war es auch, wo ich Yves Fernandez zum ersten Mal traf.

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Der Wettbewerb fand auf einem Sportplatz inmitten eines Vororts von Wittenheim statt. Zu jener Zeit flog Yves Fernandez ein an eine Mustang angelehntes Flugzeug. Ich kann mich nicht mehr genau an dieses Modell erinnern, weiß aber noch, dass die Bauqualität außergewöhnlich war. Ich machte ein paar Bilder davon, die aber leider verloren gegangen sind. Während des Wettbewerbs bemerkte ich , dass Yves ein paar Bilder von meinem eigenen Flugzeug machte (das war damals mein PALATIN). Es gab kaum ein Gespräch zwischen uns beiden. Yves sprach kaum Deutsch und mein Französisch ist noch schlechter. Irgendwie hatte ich jedoch schon den Eindruck, dass wir beide “€žverwandte Seelen” sind.

 

 


 

macon3Wenige Monate später trafen wir uns wieder bei einem Wettbewerb in der Schweiz. Zunächst glaubte ich, einer Sinnestäuschung zu erliegen -  ich sah mein Modell zweimal. Yves hatte eine fast identische Kopie meiner Konstruktion erstellt. Man bedenke: er hatte nichts weiter gehabt als einige Fotos meines Modells  -  und von diesen hatte er einen eigenen Plan gezeichnet und sein eigenes Flugzeug gebaut. Ich war total überrascht, dass jemand sowas machen kann. Wieder einige Monate später traf ich Yves auf einem Wettbewerb in Frankreich. Und wieder hatte Yves ein neues Flugzeug gebaut. Es war eine weitere Version meines Entwurfes, aber mit mehreren Modifikationen und einer anderen farblichen Gestaltung. Der Redakteur einer französischen Modellflug-Zeitschrift machte ein Foto von uns beiden, welches dann auf dem Titelbild dieser Zeitschrift erschien.

Natürlich gehen Yves’  Fähigkeiten weit über das Kopieren von Formen hinaus. In den folgenden Jahren produzierte er eine ganze Reihe eigener Entwürfe, in denen er seinen Sinn für harmonische Formgebung bewies. Er hat ein sehr gutes Auge für schöne elegante Formen, Linien, und Proportionen. Er kann sozusagen die “versteckte” Schönheit in einem scheinbar trivialen Entwurf entdecken.

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links: dies ist ein Bild eines sehr alten britischen Baukastens für ein 2,5er Modell, des Keil Kraft “Spectre”. Ein ganz nettes Fliegerchen, aber nicht weiter aufregend. Yves erkannte das Potential, das in diesem Entwurf verborgen lag und . .

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. . . das ist was er aus dem Spectre-Vorbild machte! Man muss wohl zugeben, dass daraus eine echte Schönheit  und ein leistungsfähiges Kunstflugzeug der 40er bis 46er Klasse entstanden ist. Ein Artikel mit Plan wurde in Model Aviation November 82 veröffentlicht. Ich halte den “€žSpectre” nach wie vor für eines von Yves’ schönsten Flugzeugen.

Yves kann schnell die kleinen Fehler entdecken, die Formen und Linien ausgleichen, sie harmonisch zusammenführen und sie in seiner eigenen Kreation zusammenfügen, die alle Fehler vermeidet und aus einem hässlichen Entlein eine überraschende Schönheit entstehen lässt. Deshalb scheut er auch nie zurück, bekannte Flugzeuge anderer Designer zu bauen. Dabei setzt er immer eigene Ideen bezüglich Form, Konstruktion und Technik ein, sodass am Ende immer ein neuer Entwurf heraus kommt.

Für einige Jahre verschwand Yves aus unserer Scene. Bekannt für sein gestalterisches Talent war er stark beschäftigt in der Motorrad-Szene mit Tank- und Helm- Spritzlackierungen. Ich habe nichts von seinen Werken gesehen. Aber ich hörte von anderen Quellen, dass seine Arbeit  - natürlich  -  auf dem gleichen Niveau wie seine Flugzeuge lagen. 

In der Zwischenzeit hatten sich unser beider sprachliche Fähigkeiten verbessert; hauptsächlich durch die Aufnahme modellflug-typischer Fachbegriffe. Wir unterhalten uns perfekt in Frangermenglisch, die Konversation ist verständlich und wir lernen uns besser verstehen. Ich erfuhr, dass er technischer Zeichner ist (das erklärt manches) und bei Bugatti gearbeitet hat (das erklärt noch mehr). Natürlich erlaubt ihm dieser Hintergrund, exakte Pläne zu zeichnen. Mehr noch: Yves versteht sich auf präzise Metallbearbeitung. 

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Wann immer man eines seiner Flugzeuge sieht, entdeckt man aufregende Detaillösungen; besonders seine gefederten Haupt- und Bugradfahrwerke, Motorenteile, Wellenverlängerungen, Spinner, Schalldämpfer, Verbindungs-Elemente für zweiteilige Flügel usw. Yves arbeitet viel an Motoren, vom einfachen Erstellen von Ersatzteilen bis zum Entwurf und Herstellen eigener Motoren. Was immer Yves produziert ist ein außergewöhnliches Beispiel höchster Präzision und besitzt eine ins Auge fallende Ästhetik.

 

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Abschließend möchte ich unbedingt eine kleine Geschichte anfügen. Auf einem Wettbewerb 1978 in Amerika sah ich zum ersten Mal das atemberaubend schöne Flugzeug von Les McDonald (dem späteren dreimaligen Weltmeister). Ich sah, dass er seinen Namen in kleiner feiner Schrift auf dem Flügel angebracht hatte. Ich wunderte mich, wie er das vollbracht hatte. Er erklärte mir, dass das sehr einfach mit Letra Set Anreibe-Buchstaben zu machen sei. Ich fand das eine großartige Idee und setzte also meinen eigenen Namen auf meine eigenen Flugzeuge. Wie Les benutzte ich eine Schrift mit der Bezeichnung “€žPalace Script”; dies ist eine sehr feine, elegante, schlanke Schreib-Schrift in “Italic”-Form (=schräg gestellt). Offenbar hat Yves diese Idee auf meinen Flugzeugen gesehen und dann auf einigen seiner eigenen Modelle angewendet.

Nach mehreren Jahren fand ich, dass es Zeit für eine Änderung war. Ich wollte einmal eine andere Schrift für meinen Namen verwenden. Der Letra Set- Katalog bot eine schier unendliche Auswahl an Schrift-Typen an. Es sollte nach wie vor eine sehr elegante Schrift sein, aber etwas “fülliger” damit könnte sie auf dem Modell leichter lesbar sein. Trotz des unübersehbaren Angebots entschied ich mich sehr rasch für den Typ “Murray Hill Bold”.

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Yves und ich hatten uns lange Zeit nicht gesehen und gesprochen. Nach längerer Zeit traf ich ihn wieder. Wieder hatte er ein neues Flugzeug. Auch er hatte offenbar den Wunsch nach einer Veränderung empfunden. Auf dem neuen Flieger stand sein Name in einer anderen Schrift.

Es war  MURRAY HILL BOLD  ! ! !

Was gibt’s da noch zu sagen !
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